Barschicht – Getränke ausschenken und kassieren, dazwischen schnell eine rauchen, weitermachen. Dann ist es 19.30 Uhr und der Auftritt beginnt. Anna moderiert, ihre Stimme dringt klar und in leichter Vorfreude von der Bühne in die restlichen Räume des Klanggerüsts.
Mit aller Kraft ziehe ich die klemmende Tür zum Barraum zu, damit der surrende Lärm der Kühlschränke die flüsternden Betrachter und Betrachterinnen nicht übertönt.
Überflüssig, denn kaum habe ich die Tür geschlossen beginnt das Schauspiel und die Ruhe bricht. Die Stimmen meiner Freunde schallen von der Bühne und verlieren sich im lauten Gelächter des Publikums. Johlend nimmt die Masse sie auf.
Angespornt durch die chaotische Freude ergeben sich immer neue Konstellationen auf der Bühne. Die sich lieben werden zu Feinden, die sich fremd sind zu Freunden und in diesen Momenten wird alles partiell absurd.
Ich lausche hinter der Bar und nehme es in mich auf, Vorstellung für Vorstellung. Jedes Mal wird mir klarer, dass ich Teil sein möchte, von diesem Chaos.
Dann kommt der erste Mittwoch, die erste Probe und ich stehe auf der Bühne. Ich werde mitgerissen und verliere mich mit den Menschen, die mir den Mut dazu gegeben haben, in unzähligen Situationen. Geliebte Unordnung. Die Tür zur Bar und der Lärm der Kühlschränke ist vergessen.