„Zeitschaltuhren“ ist ein Stück um die Frage nach freien Entscheidungen. Anna Cloes und Daniel Kuhlemann konzeptionierten, führten Regie und inszenierten ein Theaterstück, welches sich um das Treffen der täglichen Entscheidungen dreht. Schon morgens vorm Kleiderschrank muss man sich zwischen Alternativen entscheiden und der Tag endet am Abend auch mit Entscheidungenvor dem Fernseher. Die Frage stellt sich, ob wir wirklich alle Entscheidungen selbst treffen? Oder haben wir nur das Gefühl? In „Zeitschaltuhren“ wird ein fiktiver Raum, eine irreale Stadt geschaffen, die nicht existiert und mit Menschen, die das nicht wissen. Wenn uns ein fremder Wille lenkt und wie Spielfiguren setzt, ist in diesem Raum alles möglich. In diesem Sinne: Lasset das Spiel beginnen! Das Stück ist in Kooperation des Theater Jugendclubs Magdeburg entstanden.

Zeitschaltuhren bei Think Big

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Auszug aus dem Stück

Ich hoffe, meine sehr verehrten Damen und Herren, Ihnen geht es gut, Sie sitzen bequem, hatten eine angenehme Woche..
Jaja der Stress auf Arbeit… Und die Kinder… Und das Wetter.Dann ist noch so viel zu tun! Die Zeit rennt. Arbeit, Haushalt, Familie, Schule, Uni, Partner, mein Yogakurs, Abitur …- Sein ganzes Leben unter einen Hut zubekommen ist schon nicht einfach.

Und trotzdem sitzen Sie heute Abend hier. Alle miteinander. Warum?

Sie sind hier, weil Sie hier sein sollen. Es freut mich, dass Sie vorbeigekommen sind, auch wenn es nicht Ihre freie Entscheidung war. Verwirrt? Dann will ich es erklären…
2,1 Mrd Menschen auf der Erde gehören dem Christentum an, etwa 15 Mio dem Judentum und weitaus mehr als diese 2,115 Mrd glauben an Gott. Weitere 13,36% der Weltbevölkerung sind Anhänger des Hinduismus. Circa 1,3 Mrd glauben an Allah, rund 375 Mio an Buddah. Von den ganzen kleineren Religion will ich gar nicht erst anfangen, viele vertrauen auch auf das Schicksal…
Wenn man das ganze mal so grob überschlägt, halten sich damit über 80% der Menschen für „ferngesteuert“. Sie vertrauen auf einen Spielführer, der sie lenkt…
Gestatten? Ihr habt so viele Namen für mich, dass ich sie selbst nicht mal alle kenne…
Auf die Knie werfen müsst ihr euch jetzt nicht, hier wurde nicht gefegt; Füße küssen ist auch überflüssig, die sind gewaschen; Geld nehme ich gerne, macht mich aber auch nicht zu Tode betrübt wenn ihrs behaltet; und nein, ich werde jetzt nicht loslaufen und alle Menschen heilen.
Ich bin der Fädenzieher. Ständig treffen Menschen Entscheidungen: Kaffee mit Milch? Zum hier essen oder mitnehmen? Mit scharf Soße? Möchten Sie unsere Treuepunkte sammeln? Ketchup oder Majo? …
Ihr seid nicht frei. Alles was ihr tut und sagt und denkt- ist beeinflusst. Alles ist vorgezeichnet, wie in einer Skizze. Das Werk selbst weicht später vielleicht in einigen Punkten von der Grundidee ab, aber ist doch nach wie vor an dieser- deutlich erkennbar- angelehnt.
Ihr seid also gefangen in einer scheinbar unendlichen Welt. Braucht ihr Beweise dafür?
Passt auf, es ist ganz einfach:

Wir machen ein Experiment. Ich habe hier 3 … Spielfiguren. In keinsterweise besonders, eher traurig durchschnittlich, normal, wertlos.
Das Spielbrett… ein fiktiver Raum. Eine Stadt, die nicht existiert und Menschen, die das nicht wissen.
Klingt doch spannend, oder? Wir werden sehen, was ihnen passiert, wenn ich die Zeit einfach laufen lasse.
Vermutung dabei: Der Ausgang des Experiments ist vorherbestimmt. Egal was sie tun, es wird immer darauf hinauslaufen, dass genau eine Person stirbt. Das Spiel hat drei Runden. In jeder Runde werden Veränderungen Einfluss nehmen und trotzdem wird es immer nach meinen Vorgaben enden.
Alles klar soweit?
Na dann: Lasset das Spiel beginnen!

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Dianna Wolf mit abschließenden Worten

Ach meine lieben Freunde.
Jetzt wo Zeitschaltuhr vorbei ist und wir wieder, einigermaßen ungestresst und friedlich durch den Alltag laufen, erinnere ich mich an die Zeit zurück.
Ich muss sagen, es war echt eine schöne Zeit und es ist Wahnsinn das wir es in der kurzen Zeit doch noch geschafft haben ein Stück auf die Beine zu stellen.Schließlich sah es ab und an, echt ganz schön heikel aus.War aber schön so etwas in dieser kleinen Gruppe zu verwirklichen, denn wir konnten uns einfach auf alle verlassen.
Klar hatten wir anfangs ziemlich Angst das wir die Festung nicht bezahlen können und das alles schief läuft, aber nachdem wir von O2- „Think Big“ Unterstützung bekommen haben, hat sich immerhin diese Sorge erledigt. Auch diese gähnende Lehre mitten in der Produktion war beängstigend, auch diese haben wir überwunden und haben die Produktion letztendlich rechtzeitig fertig bekommen Aber hey, wir haben trotz dessen, das unserer Generalprobe erst am Tag der Premiere stattgefunden hat, die Bühne gerockt.
Ein Glück das das mit der Festung so gut geklappt hat und das wir dort auch gut unterstützt wurden um unsere Bühne und den Zuschauerraum aufzubauen. Gut war auch das wir die Technik zu Verfügung bekommen haben, sonst hätten wir das alles garnicht verwirklichen können.
Ich muss sagen, trotz der Höhen und der Tiefen die wir in der Zeit erlebt haben, werde ich die Produktion nicht vergessen.
Außerdem möchte ich mich noch einmal herzlichst bei der Festung und bei O2 „Think Big“ bedanken, ohne die wir das Stück erst garnicht hätten aufführen können. Danke.